Haarausfall - Richtlinien für Diagnose und Therapie

KONGRESSE Die österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie hat deshalb Richtlinien zur Diagnose und Therapie von Effluvien und Alopezien herausgegeben, die von den Autoren Univ.- Prof. Dr. Jolantha Schmidt, Adrian Tanew und Herbert Hönigsmann (Univ. Hautklinik Wien) ausgearbeitet wurden. Wir geben die wichtigsten Abschnitte der Therapieempfehlungen wieder: Androgenetische Alopezie des Mannes Minoxidillösung topisch (Regaine ® ), zweimal täglich. Topisch angewandtes Minoxidil vermindert oder stoppt laut Literatur in bis zu 90% aller Fälle den Haarausfall, ein moderates Nachwachsen von Haaren wird bei 20-30% der Patienten beobachtet. Systemische Nebenwirkungen sind bei gesunden Patienten nicht zu erwarten. Finasterid (Propecia ®) - Diese Behandlung stellt ein neues kausales Therapiekonzept dar. Der 5-a-2-Reduktaseinhibitor hemmt die Konversion von Testosteron zu Dihydrotestosteron. Finasterid 1mg/Tag bewirkt bei aktivem androgenetischem Effluvium bei über 80% der Patienten eine Reduktion des Haarausfalls, bei 50% wurde ein leichter bis starker Wiederwuchs der Haare beobachtet. Die möglichen Nebenwirkungen sind Libidoverminderung und erektile Dysfunktion. Die Inzidenzen von 1,8% bzw. 0,4% sind jedoch nur unwesentlich höher als bei mit Plazebo behandelten Patienten. Eine Wirkung von Finasterid in topischer Applikation ist nicht belegt. Anmerkung: Derzeit gibt es noch keine Studie zum kombinierten Einsatz von Finasterid und Minoxidil. Ob dadurch eine Verbesserung der Behandlungsergebnisse erzielbar wäre, kann daher nicht beantwortet werden. Androgenetische Alopezie der Frau Bei Notwendigkeit einer gleichzeitigen Kontrazeption (jüngere Frauen in der Reproduktionsphase): Diane-mite ® (2mg Cyproteronazetat (CPA) plus 0,035mg Ethinylestradiol). Falls innerhalb von 6 Monaten keine Besserung eintritt, zusätzlich 10mg Cyproteronazetat (Andro-Diane ®) zur Pille von Tag 1-15 des Pillenzyklus. Anmerkung: Die Patientinnen müssen darüber aufgeklärt werden, daß die medikamentöse Antagonisierung der hormonell bedingten androgenetischen Alopezie naturgemäß eine Langzeittherapie darstellt. Regelmäßige Kontrollen beim Gynäkologen sollen durchgeführt werden. Bei Unverträglichkeit von Diane mite bzw. bei (prä-) klimakterischen und menopausalen Frauen: Climen ® (2mg Estradiolvalerat und 1mg Cyproteronazetat). Climen besitzt keine kontrazeptive Wirkung und stellt wie Diane mite (plus Andro-Diane) eine Langzeittherapie dar. Minoxidillösung topisch (Regaine), zweimal täglich. Östriol 0,05% in alkoholischer Lösung (Rp.: Styptanon Tr. Subst. Zur Inj. Ber. + LSM Amp. Nr. III/Aeth. dil. ad 120.0). nbsp;  17a-Östradiol 0,03% in alkoholischer Lösung (Rp./ 17a Östradiol 0,03 / Aeth. dil. ad. 100). 17a-Östradiol besitzt keine sexualspezifischen Hormonnebenwirkungen, weshalb es der von manchen Therapeuten verschriebenen b-Östradiolrezeptur vorzuziehen ist. Seit kurzem ist die Substanz auch in Österreich erhältlich (Fa. Panderma). Anmerkung: Zur Wirksamkeit topisch angewandter Östrogene liegen allerdings keine kontrollierten Studien vor. Alopecia areata (AA) Die Therapie der AA (Abb. 3) richtet sich nach Krankheitsdauer und Ausprägung. Zu berücksichtigen ist die hohe spontane Remissionsrate (ca. 2/3 Spontanremission innerhalb des ersten Jahres), wobei es nach Spontanremissionen erneut zu Rezidiven kommen kann. Kleinflächiger Befall und kurze Erkrankungsdauer (Monate): Topische Steroidlösungen Ausgedehnte Alopecia areata mit einer Erkrankungsdauer >1 Jahr: Topische Behandlung mit Diphencypron (DPC). Diphencypron ist wie das früher verwendete DNCB ein Kontaktsensibilisator, durch den im Bereich der Alopezie eine andauernde, leichte kontaktallergische Reaktion hervorgerufen wird. Diese Therapie stellt die zur Zeit wirksamste Behandlungsform schwerer Fälle von AA dar, setzt allerdings eine große Therapieerfahrung sowie eine lange (Monate bis Jahre) und von lokalen Nebenwirkungen begleitete Behandlungsdauer voraus. Erfahrungen aus Deutschland Obwohl vorher nicht abgesprochen, deckten sich die Ausführungen von Univ.-Prof. Dr. R. Hoffmann (Univ. Marburg) weitgehend mit den Richtlinien der österreichischen Dermatologen. Hinsichtlich der Therapie sieht Hoffmann in dem Versuch, den programmierten Zelltod in der Stammzelle der Haarwurzel zu stoppen, ein vielversprechendes Zukunftsprojekt. Therapieziel sei es immer, den Grundzustand zu behandeln: zu dünn, zu schütter, zu fett ... Bei seborrhoeischer Schuppung etwa empfiehlt er antiseborrhoeische Shampoos. Finasterid bezeichnete er als wichtigen Inhibitor am Haarfollikel. In einer Studie an 1.500 Patienten zeigte sich nach 12monatiger Anwendung bei einer standardisierten Kontrolle eine steigende Haardichte, wobei das Pelzhaar weitgehend durch Terminalhaar ersetzt wurde. Kombinationstherapie medikamentöse Haarwuchsmittel und Haartransplantation Eine kombinierte Therapie mit medikamentösen Haarwuchsmitteln und Eigenhaartransplantation stellte Dr. Matthias Sandhofer, Ried im Innkreis vor. Mit der neuen Technik der Tumeszenz-Lokalanästhesie (TLA) ist die Eigenhaartransplantation (Abb. 4a, 4b) für den Patienten weitgehend schmerzfrei und unblutig. Der Skalp wird mit einer Pumpe aufgeblasen, sodaß in einem weitgehend blutleeren Areal gearbeitet werden kann. Meist werden die Haare vom Hinterkopf entnommen und in den kahlen Stellen eingesetzt. Es werden Kleintransplantate, s.g. Micrografts (ein Haar) und Minigrafts (2-5 Haare), je nach Methode in Slits, Slots oder Holes gesteckt. Micrografts ermöglichen vor allem am Haaransatz ein natürliches Aussehen. Das eingesetzte Haar behält Farbe, Wuchsform und Aussehen, wobei nach etwa drei bis vier Wochen das transplantierte Haar ausfällt und aus der eingesetzten Haarwurzel nach etwa drei Monaten das normale Haar nachwächst. Sandhofer berichtete über besonders gute Ergebnisse, wenn die Transplantation mit einer lokalen Behandlung von Minoxidil (Regaine) oder mit der Einnahme von Finasterid kombiniert wird.

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Letztes Update:10 Oktober, 2002 - 11:02