ESH 2006: effiziente Blutdruckeinstellung senkt Kosten

Die essentielle Hypertonie gehört zu den häufigsten Erkrankungen in den industrialisierten Ländern. In Europa sind mehr vorzeitige Todesfälle mit einem erhöhten Blutdruck assoziiert als mit anderen Risikofaktoren. Die hohe Prävalenz der Hypertonie ist zudem mit einer stark mangelhaften Erreichung der Therapieziele vergesellschaftet: Nur ein geringer Prozentsatz der behandelten Hypertoniker erreichen die von den internationalen Guidelines geforderten Werte unter 140/90.

Die intensiven Bestrebungen für ein optimaleres Blutdruckmanagement mit neuen therapeutischen Strategien liegen daher auf der Hand. So sind auch die klinischen Erfahrungen, die das Renin-Angiotensin-System (RAS), speziell auf dem Gebiet der Angiotensin-II-Rezeptorblocker (ARBs), betreffen, in den letzten Jahren stark angewachsen. Ein großer Vorteil dieser modernen Substanzklasse ist deren gute Verträglichkeit: Sartane zählen zu den nebenwirkungsärmsten Antihypertensiva, die bei Hypertonie vor allem in Verbindung mit diabetischer Nephropathie, diabetischer Mikroalbuminurie, Proteinurie, linksventrikulärer Hypertrophie oder auch bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit anwendbar sind.

OLMEBEST-Studie bestätigt Olmesartan

Der Angiotensin-II-Rezeptorblocker Olmesartan (Olmetec®) stand anlässlich des 16. Wissenschaftlichen Meetings der European Society of Hypertension (ESH) zur Diskussion. Der zuletzt entwickelte und seit 2003 hierzulande zugelassene Angiotensin-II-Rezeptorblocker Olmesartan zeichnet sich durch eine lange Halbwertszeit aus, wodurch eine einmal tägliche Gabe möglich ist. Auch bei ungenauer Einnahme kann die Blutdrucksenkung aufrechterhalten werden.

Olmesartanmedoxomil ist ein Prodrug. Während der Resorption aus dem Gastrointestinaltrakt wird es durch Esterasen in der Darmmukosa und im Pfortaderblut schnell in den pharmakologisch aktiven Metaboliten Olmesartan umgewandelt.

Für die effiziente Senkung des systolischen bzw. diastolischen Blutdrucks auf die von den internationalen Gesellschaften vorgeschriebenen Werte von 140/90mmHg bei ansonsten gesunden Personen und von 130/80mmHg bei Diabetikern und nierenkranken Menschen hat sich Olmesartan sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit dem Diuretikum HCTZ als sehr wirksam und verträglich erwiesen, wie Prof. Dr. Anthony Heagerty, Universität Manchester, UK, betonte. Daten der rezent in zehn europäischen Ländern durchgeführten OLMEBEST-Studie untermauern diese Fakten: Bei den 823 deutschen Patienten, die an der europäischen Multicenterstudie mit insgesamt 3.000 Patienten mit milder bis moderater Hypertonie teilnahmen, lag die mittlere Reduktion des diastolischen Blutdrucks in Woche 8 bei 11,8mmHg, die Responserate erreichte 75,8%.

Vorteil von Olmesartan vs. Losartan

Dass viele Patienten hinsichtlich ihres Blutdruckes unterbehandelt wären, kritisierte Prof. Dr. Lars Christian Rump, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, Marienhospital, Herne. Die Schwierigkeiten eines effizienten Blutdruckmana-gements wurden bereits in großen Inter-ventionsstudien beschrieben. Die Guide-lines empfehlen daher Kombinationstherapien, um die Zielwerte erreichen zu können. „Die Substanzklasse der Angiotensin-II-Rezeptorblocker ist charakterisiert durch eine exzellente Verträglichkeit, bei einer Wirksamkeit, die mit anderen gängigen blutdrucksenkenden Mitteln zu vergleichen ist“, so Rump. So verstärkt Olmesartan in Kombination mit dem Diuretikum HCTZ die antihypertensive Wirkung, ohne die Verträglichkeit zu verschlechtern. In einer rezent publizierten Arbeit (Rump L et al, J Hum Hypertension 2006; 20: 299–301, Abb.) konnte Rump eine stärkere Senkung des systolischen und diastolischen Blutdruckes, sowie des Pulsdruckes durch Olme-sartan vs. Losartan über eine Zeitraum von 12 Wochen zeigen: Dazu kommt, dass unter Olmesartanmedoxomil plus HCTZ eine signifikant größere Anzahl von Patienten einen Blutdruck von unter 140/90 mmHg erreichte. „Die Ergebnisse dieser Studie zeigen uns, dass die Kombination aus Olmesartanmedoxomil plus HCTZ der Kombination aus Losartan plus HCTZ in der Senkung des Blutdrucks überlegen ist“, fasste Rump die Studienergebnisse zusammen.

Kostenersparnis durch Olmesartan

Über pharmakoökonomischen Aspekte einer Therapie mit Olmesartan berichtete Prof. Dr. Jörg Hasford, Universität München. Schließlich hat aufgrund der starken Prävalenz der Hypertonie eine effektive Behandlung auch wesentliche volkswirtschaftliche Folgen: Die Kosten von kardiovaskulären Krankheiten werden in der EU auf fast 170 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Demzufolge führt eine effektive Senkung des Blutdruckes, so wie es von Olmesartan in den Studien beschrieben wird, auch zu einem entsprechenden Korrelat in der Kostenfrage, wie Hasford erklärte. Die in der Studie von Rump beobachtete stärkere Senkung des Blutdruckes unter Olmesartan/HCTZ vs. Losartan/HCTZ wurde mittels Verwendung des kardiovaskulären Framingham Risikoscores unter Berücksichtigung der finanziellen Aufwendungen im Gesundheitswesen und der Medikamentenkosten hinsichtlich der Kostenwahrheit analysiert. Für eine hypothetische Kohorte von 100.000 Personen zeigte Hasford für Deutschland die Kostenersparnis durch die Verwendung von Olmesartan: bezüglich des diastolischen Blutdruckes 1 Million Euro, rund die doppelte Summe bei Berücksichtigung der systolischen Drucksenkung. Die volkswirtschaftlich günstigen Ergebnisse basieren dabei auf einem geringeren Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse, einer Senkung der KHK, Myokardinfarkte, Schlaganfälle, respektive die geringere Todesrate bei dieser Patientengruppe. Weiterführende kostenanalysierende Untersuchungen wären, so Hasford, für die verschiedenen therapeutischen Strategien zu fordern.

ROADMAP-Studie: Olmesartan bei Typ-2-Diabetes

Prof. Dr. Hermann Haller, Abteilung für Nephrologie, Medizinische Hochschule Hannover, betonte auf der Veranstaltung auch die Gefahr eines kombinierten Vorliegens von Hypertonie und Diabetes mellitus. Hier sei das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und Nephropathien stark erhöht. Die bei beiden Erkrankungen zu findenden atherosklerotischen Veränderungen scheinen, so Haller, mit einer chronischen Inflammation der Gefäße assoziiert zu sein. Hier würden Entzündungsvorgänge zugrunde liegen, die mit Olmesartan signifikant reduzierbar seien (EUTOPIA-Studie). Zudem könne durch das Sartan mittels Beeinflussung der kleinen Nierengefäße die Progression einer Mikroalbuminurie hintan gehalten, bzw. eine Nephropathie verhindert werden. Die jüngst initiierte multizentrische ROADMAP-Studie, eine Untersuchung zur Primärprävention, soll die Effizienz von Olmesartan bei Patienten mit Typ-2-Diabetes hinsichtlich der Entwicklung einer Mikroalbuminurie beleuchten. Wenn die Ergebnisse der ROADMAP-Studie im Jahr 2012 vorliegen, so könnte dies dazu führen, neue Standards zum therapeutischen Management von Diabetespatienten zu setzen.

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Letztes Update:23 August, 2006 - 00:00