Österreichische Gesellschaft für depressive Erkrankungen (ÖGDE) Die Depression hat viele Gesichter

Die Gründung einer organisierten Gesellschaft, die sich effizienter als bisher mit der Erkrankung Depression und ihren sozialen und gesundheitspolitischen Auswirkungen auseinandersetzt, war längst eine dringliche Notwendigkeit. Antidepressiva stehen mittlerweile seit mehr als 40 Jahren zur Verfügung. Trotzdem gibt es noch immer – teilweise bedingt wegen hartnäckiger restriktiver Einstellungen von Seiten der Krankenkassen – zu wenig antidepressive Substanzen. „Die Depression hat viele Gesichter und ist nach außen hin oft gar nicht erkenntlich“, erklärte Prof. Hinterhuber. Die meisten Patienten sprechen nicht über ihre Symptome, oftmals aus Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen und Ängsten vor Stigmatisierung. Leider herrscht noch immer unter Angehörigen und sogar unter Ärzten das gängige Vorurteil, die Depression sei selbstverschuldet. Wie Hinterhuber betonte, ist eine breit gestreute gezielte Öffentlichkeitsarbeit äußerst wichtig, denn die Depression ist nicht peinlich und schon gar nicht selbstverschuldet. Mithilfe moderner Psychopharmaka in Kombination mit kognitiver oder personeller Verhaltenstherapie ist die Depression eine gut zu beeinflussende Krankheit, die aber ernst genommen werden muss. Depressionen werden nicht erkannt Woran es krankt ist die Diagnosestellung. Wie Prof. H.G. Zapotoczky warnte, werden noch immer 50% der Depressionen von Allgemeinpraktikern nicht erkannt. Wie auch? Im Rahmen der Ausbildung zum Praktischen Arzt ist es nahezu unmöglich, sich ausreichendes Wissen über diese bald zweithäufigste Krankheit in den Industriestaaten anzueignen. Auch während des Medizinstudiums gelingt es kaum, das Wesen der Depression in seinem ganzen Ausmaß innerhalb des kurzen Streifzugs durch die Psychiatrie zu erfassen. Obwohl, so Prof. Hinterhuber, an einem neuen Studiencurriculum gearbeitet wird, das den Stellenwert der Psychiatrie stärker als bisher berücksichtigen soll, ist hier und jetzt keine Zeit mehr zu verlieren, um den Status quo zu verbessern. Psychiater entstigmatisieren „Der praktische Umgang mit depressiven Patienten ist wichtig, denn die Diagnostik der Depression kann man nicht aus dem Lehrbuch oder einigen Kursen lernen“, riet auch Prof. Zapotoczky. „Heute geht es sehr viel um Befunde und weniger um das Befinden.“ Es ist daher dringend notwendig, die Bevölkerung zu sensibilisieren, den Psychiater zu entstigmatisieren und die Kollegenschaft aufzuklären über die Herzsymptome der Depression und das benötigt Zeit. Wie OA Dr. G. Psota, der Schatzmeister der ÖGDE anmerkte, sind es beispielsweise weniger die Einschlafstörungen, die zu den Kernsymptomen einer Depression zählen, sondern vielmehr eine über mindestens 2 Wochen bestehende Schlafstörung, die sich als Schlafverkürzung (2–3 Stunden früheres morgendliches Erwachen) und Etappenschlaf, ev. kombiniert mit Angstträumen manifestiert. Auch die Umstrukturierung der Ausbildung zum praktischen Arzt innerhalb des Turnus ist unbedingt angezeigt, denn die Depression zählt zu den drei Erkrankungen, die den Menschen am meisten behindern. Die nächsten Aktivitäten der Gesellschaft sind ein Workshop Ende Juni und die Herausgabe einer Broschüre als Leitfaden für den richtigen Umgang mit depressiven Menschen.

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Letztes Update:10 Oktober, 2002 - 10:07